Vortrag von Prof. Dr. Gernot Böhme: Das Foto des Ephemeren

2010_Donata Wenders_In the Snow II.jpg

Am Mittwoch, 4. Juli 2018, 19.00 Uhr

Eintritt frei | Wegen beschränktem Platzkontingent bitten wir um schriftliche Voranmeldung per e-Mail: info(at)alfred-ehrhardt-stiftung.de

Tageswesen: was ist schon jemand, was ist er nicht? Der Mensch ist ein Schatten im Traum.(Pindar, 8. Pythische Ode)

Dieser Klage über die Flüchtigkeit menschlichen Daseins entspricht in der Bibel der 90. Psalm. Im Übergang zur bürgerlichen Gesellschaft zeichnet sich jedoch eine Positivierung des Flüchtigen ab: Der Alltag, die einfachen Leute, die Natur im Wandel, die Atmosphären werden kunstfähig  ̶  in Japan wie in Europa: Es gibt eine rege Wechselwirkung zwischen der Holzschnitzkunst des Ukiyo-e und dem Impressionismus.

Im 20. Jahrhundert geht es dann nicht mehr nur um die Darstellung des Flüchtigen, vielmehr zieht die Vergänglichkeit in die Kunst selbst ein. Mit der Entwicklung von Performance, Installation, Land-Art löst sich der Werkbegriff zugunsten des Kunst-Ereignisses auf. Dadurch erhielt das Foto die Funktion, das bloß Ereignishafte festzuhalten. Fotografieren wird so auf der Meta-Ebene wieder zum Protest gegen die Flüchtigkeit des Daseins. Die Frage stellt sich: Kann das Foto das Ephemere als solches zur Darstellung bringen?

 

| 1 | 2 | zurück | >