Künstlergespräch Nora Schattauer mit Prof. Dr. Eugen Blume, Leiter der Nationalgalerie Hamburger Bahnhof Berlin: „Reden ist silbern“

Nora Schattauer, Silberblatt 1, 2011.jpg

Nora Schattauer: Silberblatt I, Silber-Nitrat und Natrium-Chlorid auf japanischem Chromatographie-Papier, 2011, 36,5 x 27 cm, © Nora Schattauer/VG-Bildkunst, Bonn

Mittwoch, 30.11.2011 um 19.00 Uhr

Die Silberblätter von Nora Schattauer (*1952) können als nichtgemalte Malerei gesehen werden. Gemalt wird nicht mehr nur mit dem Pinsel, neue Herstellungsweisen und experimentelle Bildfindungen stehen zur Diskussion. In der Ausstellung „Optische Mitte“ werden Blindzeichnungen auf Kohlepapier, Fotogramme, Fotografien, so genannte „Silberblätter", bei denen mit der Pipette aufgetragene Salzlösungen chemisch miteinander reagieren, sowie eine Auswahl exklusiver Künstlerbücher gezeigt. Nora Schattauer setzt sich mit immer wiederkehrenden Formprinzipien in der Natur auseinander. Ihre mit vielfältigen Materialien entwickelten Arbeiten visualisieren Formanalogien, die sich in verschiedenen Medien ausbilden. Dabei gilt das Augenmerk dem Kräftefluss von Naturkonstellationen, den osmotischen Bewegungen im Mikrobereich, dem Fließenden. Allen verwendeten Materialien ist eigen, dass sie aus einer Nichtoffensichtlichkeit, aus der Anziehungskraft des Verborgenen heraus agieren. Ein naturwissenschaftlicher Hintergrund verbindet sich mit künstlerischer Imagination. Interessant ist, wie der Schöpfungsprozess natürlicher und künstlerischer Strukturen vergleichbare Züge aufweist. Aspekte von Zufall und Kontrolle mischen sich ins künstlerische Spiel. Nora Schattauers Arbeiten zeigen feingliedrige malerische Oberflächen, von kristallinen Gittern bis zu organischen Geweben in silbervioletten, hellen Farbtönen. Trotz ihrer großen Präsenz entziehen sich die Bilder in ihrer vibrierenden Unschärfe einem vordergründig direkten Zugang.

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