Künstlergespräch mit Harf Zimmermann und Dr. Christiane Stahl

Harf Zimmermann, Brandwand #48, C-Print, 177 x 219 cm, ©Harf Zimmermann 2010.jpg

Mittwoch, 2. Mai 2018, 19.00 Uhr

Eintritt frei | Wegen beschränktem Platzkontingent bitten wir um schriftliche Voranmeldung. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Harf Zimmermann, 1955 in Dresden geboren und in Berlin aufgewachsen, hat noch die Trümmerlandschaften und Lückenarchitektur der Nachkriegsjahre in den für lange Zeit entstellten Städten erlebt. In der Monografie »BRAND WAND«, 2014 im Steidl Verlag erschienen, beschreibt der Fotograf auch die Brandwände in Berlin, diesem »Meer aus Ziegeln«, als »Zeugnisse der Katastrophe, des Scheiterns«.

Seit seinem Studium an der HGB Leipzig und seiner Abschlussarbeit bei Arno Fischer »Hufelandstrasse, 1055 Berlin« (1987) fotografiert Zimmermann mit großformatigen Kameras. Über 20 Jahre hinweg war er mit seiner schweren Apparatur an Orten wie Berlin, Leipzig, Dresden oder Warschau unterwegs, auf der Suche nach den Spuren seiner eigenen Geschichte, die sich in die Mauern eingeschrieben hat: Werbung aus Vorkriegs- und Nachkriegszeiten, notdürftige Reparaturen, Graffiti der 1990er Jahre, zeitgenössische Sanierungen, oder alles auf einmal. Von Gras und Efeu überwuchert, mit wilden Bäumen davor, die irgendwann die Gebäude überragt haben, wie ein Dschungel, der sich zurückholt was ihm zusteht. Unbeachtet und unbemerkt von den meisten, dabei wirkt es manchmal sogar wie abstrakte Malerei. »Über die langsam gewachsenen Spuren von hundert Jahren haben sich in Windeseile, praktisch wie in den letzten Minuten der Geschichte, unzählige neue Schichten gelegt. Als könnte es nicht schnell genug gehen, zu tilgen und wegzupinseln. Sprächen wir nicht über Städte, sondern über Bäume oder arktische Bohrkerne, könnte man an den obersten Ringen den Turbo-Klimawandel der letzten Jahre ablesen.« (Harf Zimmermann)

Das Gespräch geht der Frage nach, inwiefern diese Bilder das visuelle Hintergrundmotiv der Nachkriegszeit und damit auch der eigenen Lebensgeschichte von Harf Zimmermann darstellen, der die meisten der Veränderungen am eigenen Leib erlebt hat und sich mit seiner Arbeit der von Diskontinuität und Brüchen geplagten Geschichte Deutschlands widmet.