Das Watt / Die Kurische Nehrung, 1933 - 1937

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Die Fotografien des Watts, Alfred Ehrhardts erfolgreichste Fotoserie, enstanden in den Jahren 1933 - 1936. Ehrhardt lebte zu diesem Zeitpunkt in Cuxhaven, wo er nach der Entlassung aus der Landeskunstschule Hamburg durch die Nationalsozialisten 1933 eine Stelle als Organist übernommen hatte. Bei ausgedehnten Wanderungen in der "Urlandschaft" des Watts zwischen den Inseln Neuwerk und Scharhörn entdeckte er die Schönheit der von Wind und Wasser geformten Sandstrukturen und erkannte, dass er mit Fotografie und Film unmittelbar an seine vorherige künstlerische Auseinandersetzung anknüpfen konnte, ohne mit der NS-Kunstdoktrin in Konflikt zu geraten. 1936 zeigte er die Watt-Fotos erstmals im Hamburger Kunstgewerbeverein. Die Ausstellung war so erfolgreich, dass sie ein Jahr lang durch Deutschland wanderte. Sie wurde unter anderem vom Essener Museum Folkwang und der Galerie Nierendorf in Berlin übernommen und ging anschließend ins Ausland nach Paris, Kopenhagen und Stockholm. Im Oktober 1937 folge der erste Fotoband Das Watt im Hamburger Verlag Heinrich Ellermann. In diesem Jahr begann Ehrhardt im Watt auch mit den Dreharbeiten zu seinem ersten Film Urkräfte am Werk, der heute leider verschollen ist.

Bereits als Dozent für Materialkunde hatte Ehrhardt gelehrt, dass anorganische Materie nicht tot, sondern ein lebendiges Element sei. Der fotografische Bildausschnitt sollte das "organisch Ganze" bereits in sich tragen. Ehrhardt betont die Oberflächenbeschaffenheit mit scharfem Licht, hebt Bewegung und Rhythmus der Materialstruktur hervor und entwickelt eine spannungsreiche Kontrapunktik zwischen geometrischer Ordnung und dynamischer Linienführung. Seine abstrakten Landschaftsausschnitte suggerieren eine tiefere Beziehung zwischen Naturform und Kunstform; die archaischen Zeichen der Natur verselbstständigen sich, sie werden zum Ornament, zur Skulptur oder zu Formen von Pflanzen- und Tierwelt.

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