Modell-Naturen in der zeitgenössischen Fotografie

Alle fünf Künstler*innen stellen die Vorlagen für ihre Bilder von Hand her und verzichten auf eine digitale Nachbearbeitung. Sie bewegen sich somit im medialen Schwellenbereich zwischen Skulptur, Modellbau und Fotografie, wobei letztere als abschließende Präsentationsform Bedeutung erlangt, da die gebauten Modelle oftmals im Anschluss zerstört werden. Das Erkunden der Grenzen von Wirklichkeit und Künstlichkeit, von Wahrheit und Betrug, das Hinterfragen unserer Wahrnehmung und das Spiel mit unseren Sehgewohnheiten stehen im Zentrum der künstlerischen Herangehensweisen.

Es ist zum einen die Lust am Schein, die uns im Bann hält und unser aktives Sehen herausfordert: Wir beginnen die Bilder zu durchsuchen nach den Fehlern, dem Moment, in dem die vermeintliche Realität ins Künstliche kippt und wir im wahrsten Sinne des Wortes enttäuscht werden. Zum anderen beeindruckt das schöpferische Potenzial: Die Künstler schaffen nicht bloß ein Abbild der Natur, sondern sie werden selbst zum Schöpfer. Ihre Modelle erzeugen eine Parallelwelt, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint, die wir erkunden, hinterfragen oder einfach bestaunen können. In diesem Sinne sensibilisieren uns die Bilder nicht nur für einen kritischeren Blick auf das, was wir sehen, sondern sie laden uns auch ein, in sie einzutauchen und sich von ihrem Rätsel einnehmen zu lassen. 

Nach den Stationen im Kallmann-Museum Ismaning und der Ludwig Galerie Saarlouis ist die Ausstellung noch bis zum 24. November 2019 in der Stadtgalerie Kiel zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Michael Imhof Verlag erschienen. Ein begleitendes Veranstaltungsprogramm ist in Planung.

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